Sonntag, 9. September 2012

Lady’s night and first working day


  Erst das Vergnügen, dann die Arbeit.

Und erneut beginnt eine Geschichte mit Aviva. Wenn ich mich nicht irre, war eine der ersten Informationen, die wir von ihr bekamen: Samstag-Party-Bier.
Das war also die besagte Geburtstagsfeier am Shabbat. Aviva kam also um dreiviertel zehn zu unserer Wohnung, sie hatte eine der anderen Madrichim dabei, die uns zunächst ihre Verletzung am Bein erklären musste (wer setzt sich bitte zu zweit auf einen Glastisch??) Mit einer Person zu viel im Auto fuhren wir dann wenigstens nur 1 Minute zum Hostel, damit Laurenz von dort aus mit Amid, einem der anderen Madrichim, mitfahren konnte. Und er war heil froh, denn er hatte bei Avivas Fahrstil schon tausend Tode durchlitten. Mehrere Bodenwellen brachten seinen Kopf ziemlich in Gefahr und letzten Endes landete ein Hackenschuh aus dem hinteren Bereich des Wagens in seinem Nacken.
Die Fahrt nach Rehovot in die Bar war dann ziemlich ruhig. So aufgetakelt wie sie waren in ihren kurzen Röckchen zeigten sie uns, nachdem sie unsere flachen Schuhe ungläubig beäugt hatten, den Weg zur Bar. Nach einiger Zeit, wir saßen draußen, kamen auch viele Mitarbeiterinnen dazu, die Laurenz‘ Ankunft, schon sehnlichst erwarteten – endlich nicht mehr nur weibliche Freiwillige(!). Und plötzlich bekamen wir mit, dass Avivas Begleiterin eine derjenigen war, die Geburtstag hatte. Typisch Aviva. Sie redet ohne Punkt und Komma, aber das Wichtigste lässt sie aus.
Der Abend war noch ziemlich unterhaltsam. Es waren sehr viele zukünftige Kollegen von uns dabei und die Konversationen klappten auch ohne Hebräisch sehr gut. Der Ohrwurm vom hebräischen ‚hoch sollst du leben‘ ging uns dann lange nicht aus dem Kopf. Israelis sind eben gerne laut und fröhlich.
Für uns Mädels war der Abend, israelischen Verhältnissen entsprechend, auch ziemlich günstig. Einmal 35 Shekel für den Zeitraum bis halb zwei. Aber am nächsten Tag sollte unser erster Arbeitstag sein.
Schließlich ging sich Aviva noch ihrem Outfit entsprechend amüsieren und Amid fuhr uns zurück, was doch ziemlich beruhigend war.

Am nächsten Morgen, Sonntag/jom rishon/dem ersten Tag
Trudelten wir also bei der Arbeit ein um einfach nur die Info, dass wir gegen 3 beginnen sollten, zu bekommen. Dabei trafen wir drei andere Volontäre vom Seminar, die zwischenzeitlich in unserer Einrichtung wohnen werden, weil sie so schlechte Wohnverhältnisse geboten bekommen hatten. JA, wir haben wirklich Glück mit unserem Platz!
Die Sozialarbeiterin, Norit, war später der Meinung, wir könnten niemals Deutsche sein, weil wir zum vereinbarten Treffen etwas zu spät kamen.
Wir konnten dann also unsere erste Schicht beginnen. Es gibt zwei Häuser im Hostel: lower function and higher functioned Autists. Heute ,arbeiteten‘ (wir waren ja erst zum Zugucken da)  Laurenz und ich im Haus mit den härteren Fällen und morgen werden wir tauschen. Man kann am Anfang im Haus mit den schwierigeren Fällen mehr mitmachen, weil man im anderen Haus viel Sprache braucht, die wir schließlich noch nicht beherrschen. Aber nicht nur im Umgang mit den Autisten konnten wir heute schon sehr viel helfen, denn z.B. in der Küche kann  man ja nicht viel falsch machen. In den anderen Bereichen ist es sowieso sehr wichtig, dass wir erstmal nur dabei sind. Die Friends / Chaverim sind schon noch ziemlich empfindlich, auch wenn sie so langsam an Mitarbeiterwechsel gewöhnt sind. Aber beim Pita-Pizza machen konnten wir viel helfen und sowas hat dann auch schon wirklich Spaß gemacht. Die Erfahrung mit all diesen unterschiedlichen Charakteren zu machen, ist sowieso schon interessant genug. Ich freu mich schon richtig drauf, so richtig mitarbeiten zu können und bin erstmal gespannt auf das andere Haus. Durch die Nachmittagsschicht kann ich ja auch ausschlafen morgen früh. :)
Soweit erstmal ausm Kibbutz
  טוב לילה
(leila tov)
Gute Nacht
דורו
Doro

Samstag, 8. September 2012

Die Kühlschrank–Affäre

oder : angekommen im Kibbutz


in Haifa sollten wir am Mittwochnachmittag von Mitarbeitern der Einrichtungen begrüßt werden und dann mit ihnen zusammen dorthin fahren. Bei uns waren es die Hausmutter, Etti, und eine ziemlich verrückte Mitarbeiterin, Aviva. Erwartet hatten wir Informationen über Informationen… es drehte sich dann aber vor allem um die Attraktivität deutscher Männer. Die Busfahrt war dann auch ein Abenteuer. Wir konnten ja nicht verstehen, was der Busfahrer in seiner Wut da schrie, aber wir haben mitbekommen, dass Aviva ihn nicht gerade beruhigt hat. Vor allem auch nicht, als sie anfing, ein Video von ihm zu drehen…

Das erste, was ich von unserer Wohnung dann sah, war dann ein schöner großer Kühlschrank! Und dann kam die Ernüchterung. Er war kaputt und stank bestialisch. Wir nahmen uns vor, den Rest der Wohnung am nächsten Morgen zu putzen und sonst, bis auf die Sache mit dem Kühlschrank, waren wir guter Dinge …und wurden nicht enttäuscht. So wie’s aussieht, sind die Mitarbeiter sehr sehr nett, vor allem unsere Ansprechpartner und auch die Chefin.

Sie versuchen wirklich, uns alles zu geben was wir brauchen, wie etwa Mittag, das sie uns heute netterweise vor die Tür gestellt haben. Dummerweise haben unsere Nachbarn eine  Hund und anscheinend  mag er Fisch.

 ein kleiner Blick in unsere Wohnung:
(Info: meine Mitbewohner: Hanna(für 9 Monate), Jana(6) und Laurenz(6)

das Mädelszimmer (vor dem Putzen)

unser Pflänzchen namens Joffi




 
Jana und Laurenz
und -finally- der ,neue' Kühlschrank,
sehr viel kleiner als der alte, aber irgendwie...
...niedlich.














Seit heute morgen Kobi da war, für einen Israeli sogar sehr pünktlich, und sagte: ,I am the Internet‘ , haben wir auch Internet. Wie ihr vielleicht sehen könnt. Ja, die Israelis sind sehr offen und gesprächig. Er sagte ungefähr 30 mal ‚Now you have internet‘  

Freitag:

Sonnenbrand, was sonst…

Nach einem Tag am Strand in Ashdod ist das kein Wunder J
Wir konnten sogar auf dem Busschild den richtigen Bus finden

אשדוד – Ashdod
War schön und heiß…
und ich wurde das erste mal so richtig wegen meiner blonden Haare angegraben, der Mann hätte mein Vater sein können, aber der Vergleich mit einem 'Angel fallen from the sky' schien ihm dennoch angebracht.
 
Ashdod-Impressionen



 
 

 
Wieder zurück im Kibbutz konnten wir live Jazzmusik auf dem Dorfplatz erleben und Laurenz durfte sogar mitmachen. das Video war im Moment noch zu groß. Kommt vielleicht noch.
 

 
Nachdem wir noch unser kiloweise aufgetürmtes Abendbrot in der Einrichtung zu uns genommen haben, ging es nochmal raus: den Pub suchen... er existiert zwar, war aber zu.
Dafür gibt es einen in Rehovot, der nächsten Stadt. Heute hat jemand aus der Belegschaft, also von den Madrichim bzw. guides. Also wird heute abend, am shabbat!, gefeiert und wir sind eingeladen. So genau nimmt man den Shabbat im Kibbutz nicht und daher fährt Aviva
 mit uns heute Abend da hin. Mit den Bussen ist es dann nämlich wieder schwierig am Shabbat.

in diesem Sinne:
Shabbat Shalom
eure Doro
 

Mittwoch, 5. September 2012

Alles Sabbaba hier in Haifa

...oder doch joffi toffi?!

Rutenberg Institut


....der Abgeordnete aus dem Außenministerium, der uns gestern einen Vortrag hielt, heißt Yossi - klingt fast so wie joffi, aber so klasse war sein Vortrag dann leider auch nicht. Dabei war ich mit hohen Erwartungen an die Sache herangegangen. Von wem sollte man sonst eine fundierte Meinung hören, wenn nicht von jemandem, der so in der Materie steckt? Traurigerweise hat der Mann eine sehr leise, monotone Stimme und holte mit eben dieser sehr weit aus - mal eben 4000 Jahre. Sicher ist die Geschichte wichtig für das aktuelle Geschehen, aber wir haben uns da eher Erfahrungsberichte und Diskussionen erhofft. Schade, Yoffi.


Dafür waren Muti und Micki (die Namen sind auch joffi, oder?) am Montag wunderbar, beide auf ihre Weise. Erst bereiteten wir uns mit dem Leiter der Lev-zeller-Einrichtung, Muti, auf Problemsituationen physischer Art mit den Bewohnern vor. Er legte wahnsinnig viel Wert darauf, dass dies keine Selbstverteidigung sei. Seine Methode ist so eine liebevolle Art, sich etwa vor einer momentan nicht angebrachten Umarmung zu wehren. Das war wirklich sehr beeindruckend. Außerdem ist Muti so sympathisch, dass ihn sich so ziemlich jeder als neuen Chef wünschte. Hanna (http://hannahmairainisrael.wordpress.com/) hat zum Beispiel dieses Glück...
Micki hielt eine langen (manchmal leicht verzettelten) Monolog, in dem er  uns seine Erfahrungen mit dem Aufeinandertreffen von Deutschen und Israelis ganz wunderbar  nachvollziehbar machte: mal waren wir erstaunt, mal gerührt, mal einfach baff. 

Am Sonntagvormittag hatten wir viel freie Zeit und so ging es auf einer rasanten Bergabfahrt zum Mittelmeer.
Ein paar Eindrücke vom Strand:




Jüdische Volkstänze können wir seit dem äußerst lustigen Sonntagabend. Am Dienstag beim abendlichen Mittelmeerbad überlegten wir sogar, zu einer Castingshowbühne an der Promenade zu laufen und sie dort aufzuführen. ;)  
 

Liebe, Sonne und Falafel

…war das Fazit unserer Gruppenarbeit zum Thema ‚Erwartungen‘
Am Montag


Kreativität pur



 

Und abends ging‘s dann mit Orangensaft in die Nacht…

Dienstag
The earth is but one Country and mankind its citizens
Baha’u’llah

Die Bahaireligion wählte den Berg Carmel in Haifa als ihr weltweites Zentrum und legte deshalb an seinem Hang diese wunderschönen Gärten an…




Mittwoch
Vorträge über die Organisation, zu der auch unsere Einrichtung gehört, so wie der einer Mutter mit autistischem Sohn sowie ein Miniulpan (Sprachkurs) bereiteten uns nun also auf den anstehenden Einzug ins neue Heim vor…

Um halb neun Weintrinken, um schon im Voraus das jüdische Neujahr Rosch haschana zu begrüßen, ist auch was Schönes…

Diesen Text über die Seminarwoche in Beit Rutenberg kann ich im Moment schreiben, aber leider ist der Internetzugang schon wieder abgestürzt…
Ich entschuldige mich also, dass meine Nachrichten nicht allzu aktuell sind.
Nachher wird irgendjemand aus der Einrichtung im Kibbutz herkommen und dann geht’s los!! Uiuiuiui